|
Welche Parasiten gibt es?
Milben
(Demodex canis – Sarcoptes canis – Otodectes cynotis
– Neotrombicula autumnalis)
I. Parasiten der Körperoberfläche
(Ektoparasiten)
Haut und Fell sind die Orte, an denen sich Ektoparasiten aufhalten.
Dabei ist es egal, ob sie sich in die Haut eingraben oder
auf der Haut aufhalten. Sie ernähren sich dabei entweder
von Hautteilen oder von Blut. Dabei verletzen sie die Haut
oder führen zu starkem Juckreiz. Die damit verbundenen
Irritationen sind optimale Eintrittspforten für Bakterien
und/oder Pilze, die dann zu starken Entzündungen führen
können. Am Tier äußert sich das dann in struppigem
Fell, Haarausfall, Ekzemen, Schuppen ….
Milben
Folgende Milben werde ich besprechen. Es gibt noch weit mehr
als die vier unten angesprochenen Milben. Doch sind das die
am häufigsten vorkommenden Milben bei Hund und Katze.
1. Haarbalgmilbe (Demodex canis)

2. Grabmilben (Sarcoptes canis)

3. Ohrmilbe (Otodectes cynotis)
4. Herbstgrasmilbe (Neotrombicula autumnalis)

a) Geographische Verbreitung
(1) Haarbalgmilbe: Weltweit
(2) Grabmilbe: Weltweit
(3) Ohrmilbe: Weltweit
(4) Herbstgrasmilbe: Weltweit
b) Artmerkmale und Entwicklung
(1) Haarbalgmilbe
(Demodex canis – Haarbalgmilbe
des Hundes)
Die Demodexmilbe ist gekennzeichnet durch ihr zigarrenförmiges
Aussehen. An dem Vorderende sind ein paar Stummelbeine zu
erkennen. Sie leben in den Haarbälgen bzw. in den Talgdrüsen
und ernähren sich von Talg und Haarwurzeln. Sie befallen
zumeist den Kopfbereich, die Rückenseite sowie die
seitlichen Bauch und Brustpartien, wo sich bis zu 80.000
Milben pro cm2 aufhalten können. Die Milben können
nur mikroskopisch erkannt werden. Die Weibchen werden bis
zu 0.25 mm und die Männchen nur bis zu 0,15 mm groß.
Das durch die Demodexmilbe verursachte Krankheitsbild ist
sehr typisch. Der gesamte Entwicklungszyklus läuft
im Haarbalg ab und dauert ca. drei Wochen. Die Vermehrung
der Parasiten findet aber auf der Körperoberfläche
statt. Die Männchen sterben dann nach 3 - 7 Tagen,
während die Weibchen an den Haarschäften wieder
eindringen. Nur in dieser kurzen Phase ist eine Übertragung
von Tier zu Tier möglich.

(2) Grabmilbe (Sarcoptes canis- Grabmilbe
des Hundes)
Das Weibchen der Sarcoptesmilbe wird nur 0,4 mm und das
Männchen sogar nur 0,25 mm groß. Diese Parasiten
graben Gänge in die ganze Haut des Hundes. Bevorzugt
werden aber der Nasenrücken, die Ohrränder und
der Augenbereich. Der Entwicklungszyklus dauert maximal
3 Wochen. Wie die Haarbalgmilbe verlassen die Parasiten
die Grabgänge um sich dann an der Körperoberfläche
zu vermehren.
(3) Ohrmilbe (Notoedres
cynotis)
Diese Milben werden bis zu 0,5 mm groß. Sie kommen
vorwiegend auf der Haut des äußeren Gehörganges
vor.
(4) Herbstgrasmilbe (Neotrombicula
autumnalis)
Bei dieser Art parasitieren lediglich die sechsbeinigen
Larven, die bei einer Vielzahl von Warmblütern (u.
a. Mensch) Blut aufnehmen und daher rötlich orange
erscheinen. Die anderen Stadien leben auf dem Boden und
fressen kleinere organische Materialien. Doch die Larven
ernähren sich nicht hauptsächlich von Blut, sondern
auch vom Hautzellbrei. Der Aufenthalt auf der Körperoberfläche
dauert ungefähr eine Woche.
c) Befallsmodus und übertragene Erreger
(1) Haarbalgmilbe
(Demodex canis)
Die Demodexmilbe wird von der Hündin durch engen Kontakt
in den ersten 2-3 Lebenstagen auf die Welpen übertragen.
Aber nur ein kleiner Teil dieser Welpen entwickelt später
im Leben eine Demodikose. Neben der Ansteckung braucht es
noch andere begünstigende Faktoren, damit es zum Krankheitsausbruch
kommt. Werden aber die Welpen z.B. durch Kaiserschnitt geboren
und mutterlos aufgezogen, sind sie milbenfrei. Eine spätere
Ansteckung solcher Hunde ist sehr unwahrscheinlich. Auch
andere Tierarten und Menschen werden von der Demodexmilbe
des Hundes nicht angesteckt.
Welche Faktoren begünstigen den Ausbruch
einer Demodikose?
-
eher jüngere und kurzhaarige
Hunde sind betroffen
-
eine Schwächung des Immunsystems
durch Wurmbefall, Läufigkeit, Geburt, innere Krankheiten,
Medikamente, Stress oder andere Faktoren.
-
Die Rasse: Einige Hunderassen wie
West Highland White Terrier, Shar Pei, Englische Bulldogge,
Scott Terrier, Boston Terrier, Deutsche Dogge, Weimaraner,
Airedale Terrier, Alaskan Malamute, Afghanischer Windhund
und Dobermann werden öfters als andere Rassen befallen.
Wo eine familiäre Häufung auftritt, ohne dass
man äußere Einflüsse für eine Schwächung
des Immunsystems findet (z.B. bei der generalisierten
Demodikose der Junghunde), ist die Demodikose erblich.
Dabei wird ein rezessiver Erbgang vermutet, der eine spezifische
Abwehrschwäche gegen diese Milben verursacht.
(2) Grabmilbe (Sarcoptes
canis)
Durch direkten Körperkontakt oder durch Milben auf
Teppichen etc.. Die Milbe selbst überträgt keine
Erreger.
(3) Ohrmilbe (Notoedres cynotis)
Durch direkten Körperkontakt oder durch Milben auf
Teppichen etc. Die Milbe selbst überträgt keine
Erreger.
(4) Herbstgrasmilbe (Neotrombicula
autumnalis)
Kontakt mit Milben auf Pflanzen im Freien. Vorwiegend in
der feucht warmen Jahreszeit, folglich im Frühjahr
und im Herbst.
d) Anzeichen der Erkrankung
(1) Haarbalgmilbe (Demodex canis)
Es kommen zwei Krankheitsbilder der Demodikose vor.
- Die lokalisierte Form
- Die generalisierte Form
Die lokalisierte Form tritt im 3. bis
6. Lebensmonat auf und ist durch scharf begrenzte, schuppig-rötliche
Herde in Augennähe, an den Lippen oder an den Vorderbeinen
charakterisiert. Bei 80 % der befallenen Tiere tritt eine
Selbstheilung ein. Die restlichen 20 % entwickeln trotz
Behandlung die generalisierte Form der Demodikose.

Demodikose am Auge 1
Die generalisierte Form kann in jedem Hundealter
auftreten und befällt größere und mehrere
Hautbezirke am ganzen Körper. Die generalisierte Demodikose
ist eine ernste Hauterkrankung und kann ohne Behandlung
den betroffenen Hund bis zum Tode auszehren. Die betroffenen
Hautstellen zeigen Haarverlust und starke Schuppung. Meistens
entfaltet sich eine zusätzliche bakterielle Entzündung
in den Haarfollikeln, die zu nässender, eitriger, schmerzhafter
Entzündung mit Juckreiz, Hautverdickung und Krustenbildung
führt. Die entzündete und infizierte Haut bildet
zusätzlich ein angenehmes Klima für die Demodexmilben
um sich noch mehr zu vermehren. Besonders hartnäckig
können die Pfoten befallen sein.

generalisierte Form der Demodikose 1
(2) Grabmilbe (Sarcoptes
canis)
Bei der Räude kommt es in den jeweiligen
Hautbereichen infolge von bakteriellen Sekundärinfektionen
zu Eiterungen, Krusten- und Schuppenbildungen sowie als
Leitsymptom zu starken Haarverlusten.

(3) Ohrmilbe (Otodectes
cynotis)
Die klinischen Symptome dieser Erkrankung sind sehr unterschiedlich.
Einige Tiere haben sehr starken Juckreiz und wenig schwarz-braunes
Sekret in den Ohren, bei anderen ist es genau umgekehrt.
In den meisten Fällen bleiben die Milben auf den Gehörgang
beschränkt, bei manchen Tieren breiten sie sich jedoch
vom Ohr ausgehend auf Kopf, Hals und Rumpf aus. Ohrmilben
kommen häufig bei jungen Tieren vor und sind hochgradig
ansteckend. Sie sind nicht wirtsspezifisch und können
auf andere Tiere und auf den Menschen übertragen werden.
(4) Herbstgrasmilbe (Neotrombicula
autumnalis)
Zahlreiche blutig unterlaufene Hautstellen mit starkem Juckreiz
und Pustel- sowie Quaddelbildung. Bei Massenbefall können
auch räudeartige Anzeichen auftreten.
e) Infektionsgefahr für den Menschen
(1) Haarbalgmilbe
(Demodex canis)
Bei dieser Milbenart scheint keine Übertragung möglich.
Allerdings scheint es bei immungeschwächten Menschen
denkbar.
(2) Grabmilbe (Sarcoptes canis)
Ein Übertritt von Sarcoptes canis auf den Menschen
ist beschrieben. Doch findet die Vermehrung beim Menschen
nicht mehr statt. Da sich die Milbenweibchen aber mehrere
Wochen ohne Nahrung halten können, ist ein Übertragungsrisiko
auf den Menschen immer gegeben.
(3) Ohrmilbe (Otodectes cynotis)
Menschen, die sich Otodectesmilben durch den Kontakt mit
Haustieren zuziehen, bilden kleine Verdickungen, Papeln,
in der Haut aus, die sehr stark jucken können. Nur
selten kommt es bei Tierbesitzern zu Infektionen des Ohres.
(4) Herbstgrasmilbe (Neotrombicula
autumnalis)
Eine Übertragung auf den Menschen ist möglich,
da die Milben nicht wirtsspezifisch sind.
f) Diagnosemöglichkeiten
(1) Haarbalgmilbe
(Demodex canis)
Zur Diagnose braucht es die Hilfe des Tierarztes/Tierärztin.
Mit einem so genannten Hautgeschabsel kann man die Milben
oft erkennen. Dabei werden obere Hautschichten mit einem
Spatel oder scharfen Löffel abgeschabt und unter dem
Mikroskop beurteilt. In speziellen Fällen braucht es
aber auch eine Hautbiopsie zur Diagnose, speziell beim Shar
Pei, der sehr tief liegende Haarfollikel hat oder auch wenn
die Pfoten befallen sind. Die Hautbiopsie wird je nach Lokalisation
unter einer lokalen Anästhesie oder einer allgemeinen
Narkose entnommen. Dabei werden mehrere kleine Hautstücke
chirurgisch entnommen und von einem Spezialisten histologisch
beurteilt.

(2) Grabmilbe (Sarcoptes
canis)
Neben dem typischen Krankheitsbild kann diese Räude
durch direkten Milbennachweis in einem Hautbgeschabsel diagnostiziert
werden. Auch ein Bluttest zum Nachweis der Antikörper
kann gemacht werden.
(3) Ohrmilbe (Notoedres cynotis)
Direkter Nachweis der Milben im Hautgeschabsel. Auch das
schwarze Sekret gibt Hinweise auf einen Befall.
(4) Herbstgrasmilbe (Neotrombicula autumnalis)
Die Milben bzw. die Larven der Milben können als kleine
rötliche Punkte im Fell erkannt werden.
g) Vorbeugung
(1) Haarbalgmilbe
(Demodex canis)
Da nicht alle befallenen Hunde eine Behandlung brauchen,
ist eine medikamentelle Vorbeugung sicher nicht empfehlenswert.
Aber befallene Hunde, bei denen eine familiäre Häufung
der Krankheit auftritt, sollen aus der Zucht genommen werden.
Um die erbliche Immunschwäche gegen Demodex aus der
Rasse zu eliminieren, müssten nicht nur die betroffenen
Hunde, sondern auch ihre Geschwister und Elterntiere aus
der Zucht genommen werden.
(2) Grabmilbe (Saracoptes canis)
Eine vernünftige Vorbeuge ist nicht vorhanden. Es gibt
zwar mittlerweile Spot ons, die den Sarcoptesbefall behandeln,
aber man behandelt auch beim Menschen keinen Hautausschlag
einfach nur mal prophylaktisch. Insofern kann nur der Besitzer
des jeweils befallenen Tieres eine Vorsorge treffen. Möglichst
frühzeitiges Erkennen eines Befalls und als Folge eine
Absonderung der Tiere unter Vermeidung nicht befallener
Tiere.
(3) Ohrmilbe (Otodectes cynotis)
Siehe Grabmilbe
(4) Herbstgrasmilbe (Neotrombicula autumnalis)
Die Behandlung mit Spot ons und anderen Kontaktinsektiziden
können helfen.
h) Behandlungsmaßnahmen
(1) Haarbalgmilbe
(Demodex canis)
Die lokalisierte Form der Demodikose hat, sofern man sie
überhaupt behandeln muss, eine gute Prognose. Die generalisierte
Demodikose muss immer ernst genommen werden. Hunde, die
jünger als ein Jahr sind und nicht zu den oben genannten
bevorzugt befallenen Rassen gehören, können bis
zu 50% der Fälle ohne Behandlung abheilen. Wichtig
ist, bei der generalisierten Form nach einer Grundursache
zu suchen, die das Immunsystem des Hundes so geschwächt
hat, dass es überhaupt zum Ausbruch gekommen ist. Kann
diese gefunden und behandelt werden, sind die Erfolgsaussichten
für eine Behandlung viel größer. Effiziente
Medikamente zur Behandlung der Demodikose sind kaum auf
dem Markt. Vielfach bleibt nur eine symptomatische Behandlung
bei Ausbruch der Erkrankung.
(2) Grabmilbe (Sarcoptes canis)
- Scheren befallener Tiere, um ausreichend Kontakt der
Haut mit den Behandlungsmitteln zu schaffen.
- Entfernen der Krusten
- Anlegen von Halskrausen, um das Belecken zu verhindern
- Einsatz von Kontaktinsektiziden
- Gleichzeitige Behandlung der Liegestätte bzw. des
Zwingers.
(3) Ohrmilbe (Otodectes cynotis)
Spot ons und Salben. Siehe auch Sarcoptesmilben.
(4) Herbstgrasmilbe (Neotrombicula
autumnalis)
Kontaktinsektizide und das Auftragen von juckreizstillenden
Salben können helfen.
zurück
|